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Bruno´s Geschichte

 

Bruno wurde im Alter von 4 Monaten mit einer alten Oberschenkelfraktur auf einer Straße in Kigali, Ruanda´s Hauptstadt,  aufgesammelt, völlig abgemagert, kaum gehfähig,  mit offenen Wunden im Frakturbereich. Er wurde einige Wochen mit Antibiotika behandelt und schließlich im New Vision Veterinary Hospital (NVVH) vorgestellt. Das NVVH hat als einzige Einrichtung ein Röntgengerät, die Aufnahme von Bruno zeigt einen Trümmerbruch des Oberschenkel, durch das Alter der Fraktur bereits durch Zubau von Knochengewebe in der fehlstellung fixiert. An der Oberschenkelinnenseite ist eine infizierte Wunde , aus den Öffnungen ist eitrige Flüssigkeit auspressbar.

 

Das Röntgen zeigt Bruno´s Fraktur, zum Vergleich ein gesunder Oberschenkel.

 

Ich habe im April 2,5 Wochen in Kigali im NVVH verbracht und im Zuge meines Aufenthalts das Röntgen gesehen…Beschluss zur Amputation. Am OP Tag habe ich Bruno kennengelernt, der unglücklichste  Welpe, auch wenns blöd klingt,  den ich in meiner Tätigkeit getroffen habe. Dreibeinig , mit sichtlich schweren Schmerzen, meistens liegend,  mit traurigen Augen, ganz vorsichtig – die dramatische Beschreibung muss leider sein, für einen Vergleich..

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Die OP wurde im 5 köpfigen Team im NVVH von Dr Jean Bosco und mir durchgeführt, der Oberschenkel wurde im Hüftgelenk abgesetzt, Anästhesie Beatrice, Op Assitant Philomena, Ruth, Germaine.

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Bruno bekam intravenöse Antibiose und massive Schmerzmedikation, im Aufwachraum fand er sich im Käfig mit Halskragen und richtig schlechter Laune wieder.

Am nächsten Morgen habe ich mit ihm wegen anhaltender Lästigkeit seinen ersten Spaziergang gemacht – immer noch auf 3 Beinen und superfröhlich,  weil endlich das erste Mal nach Wochen schmerzfrei.

Bruno blieb mit Antibiose und Schmerzmedikation 3 Wochen in der Kinik, allerdings nicht im Käfig, das bekannte Video zeigt Bruno im Klinikgarten.

 

Seine Heimkehr zu seinen Rettern war nach meiner Abreise, aber ich weiß aus vielen mails, dass es ihm gut geht!

Bruno war für mich eine der eindrucksvollsten Fälle hinsichtlich Schmerzmedikation und Lebensqualität,  er war nach der OP schlicht ein neuer Hund – oder sein altes Selbst.

 

 

 

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Dr. Bettina Horvat beschreibt in einem Artikel für den Tierärzteverlag die Entstehung der New Vision Veterinary Hospitals:

„In Ruanda, einem ostafrikanischen Land in Äquatornähe, wurde vor mehreren Jahren durch österreichische TierärztInnen der Verein“ Endangered“ gegründet. Intention war es, den Schutz der Berggorillas zu unterstützen. Bald wurde klar, dass Tierschutz ohne den der Menschen, die wegen des begrenzten Raumes in ständiger Konkurrenz mit den Tieren der Nationalparks leben, nicht möglich ist. 2011 übernahm der Verein „Future4kids“ den humanitären Teil der Projekte von Endangered mit dem Ziel, 50 unbetreuten Kindern ein sicheres und liebevolles Zuhause zu geben. In der Nähe von Musanze (vormals Ruhengeri) entstand das „Mountain Gorilla Education Centre“, es ist heute auch ein Zentrum für Berufs- und Allgemeinbildung für die Menschen der Umgebung. Dr. Otto Fischer, Tierarzt aus Korneuburg, einer der Initiatoren dieser Initiative, kam so in Kontakt mit ruandischen TierärztInnen, die an ihn den Wunsch herantrugen, eine tierärztliche Einrichtung zu schaffen. Sie berichteten von sehr schwierigen Umständen für eine qualitätsvolle tiermedizinische Arbeit, mangelhaften Diagnosemöglichkeiten und problematischen Tierhaltungsbedingungen. Durch die Untrennbarkeit von menschlicher und tierischer Gesundheit käme jede Verbesserung der tiermedizinischen Versorgung auch den menschlichen Bewohnern Ruandas zugute. So entstand das „Friends of Rwanda Veterinary Project“, dem sich bereits einige TierärztInnen aus Österreich, Deutschland und England angeschlossen haben.

Dank der Großzügigkeit einer Schweizer Stiftung, deren Ziel das Tierwohl ist, gelang es in kurzer Zeit, das „New Vision Veterinary Hospital“ (NVVH) in Musanze zu bauen. Im Juli 2016 wurde es eröffnet.

Es liegt am Fuße der Virunga-Vulkane, nahe am Volcanoes-­Nationalpark in einer landwirtschaftlich genutzten Region, 80 km von der Hauptstadt Kigali entfernt.

Neben der tierärztlichen Praxis für Groß- und Kleintiere und der Diagnostik in den gut ausgestatteten Labors ist die Aus- und Weiterbildung von TierärztInnen ein wichtiger Bereich der täglichen Arbeit. Dr. Bettina Horvat, Tierärztin aus Niederösterreich, leitet neben Otto Fischer das New Vision Veterinary Hospital. Sie und andere KollegInnen aus Österreich sind seit dem letzten Jahr mehrfach nach Musanze gereist, um die Klinik aufzubauen, auszurüsten und die KollegInnen in Theorie und Praxis zu trainieren. Für das laufende Jahr konnte ein umfassendes Fortbildungsprogramm erstellt und zahlreiche ExpertInnen aus Universität, Institutionen und Praxis zur Teilnahme gewonnen werden.

Das Projekt steht vor enormen Herausforderungen: Kulturelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen weisen große Unterschiede zu denen in der westlichen Welt auf. Die Möglichkeiten der ländlichen Bevölkerung, für tierärztliche Leistungen zu bezahlen, sind begrenzt. Dies wird durch Projekte der Stiftung ausgeglichen.

 

Gleichzeitig gibt es eine große Anzahl westlicher Haushalte, in denen Hunde und Katzen leben. Auch hier besteht der Bedarf nach tierärztlicher Leistung. Daher wurde ein Objekt in Kigali angemietet, um dort eine Zweigstelle zu eröffnen.“

 

 

 

 

Die Zweigstelle in Kigali wurde 2018 eröffnet  und war mein Haupttätigkeitsbereich im April, sie wird von Dr Jean Bosco Turkumwenayo geleitet, unterstützt von der Vet-assistentin Philomena Batamuriza.

Anbei einige Foto, die Klinik ist auch auf Facebook zu finden