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Pfotenpflege – generell und speziell für den Winter

Krallen und Ballen und Haare…

Anatomisch betrachtet gleicht die Hundepfote der menschlichen Hand .

Die vier Hauptzehen sind durch Hautlappen miteinander verbunden. Der fünfte Zeh, die  Wolfskralle,  sitzt erhöht am Vorderlauf, bei wenigen Hunderassen zusätzlich am Hinterlauf. Die Pfotenballen machen den größten Teil der Hundepfote aus.  Die Ballen sind  verhornt , die Haut ist 50 mal dicker als die restliche Hundehaut. Ballen dienen als Stoßdämpfer und bilden einen natürlichen, wenn auch nicht 100 % Schutz vor Fremdkörpern.

Die Krallen bestehen aus Horn, die knöcherne Grund­lage der Kralle ist das letzte Zehenglied.  Die Kralle beginnt an der Grenze zur normalen Haut am Krallenrücken im Nagelfalz, der einerseits Horn bildet und andererseits die Kralle verankert. Bei einem Nagelabriss entsteht aus dem Krallenfalz die neue Kralle.  In der Kralle selbst befindet sich ein Blutgefäß und eine Nervenbahn – das sogenannte Leben.

Krallen

Was ist zu lang?

Grundsätzlich gibt es eine sehr ein­fache Regel. Wenn der Hund auf geraden Beinen vor einem steht, darf keine der Krallen den Boden berühren. Die Wolfskralle ist ein besonderer Fall , sie muss regelmäßig gekürzt werden, da sie sich nicht abnutzt . Hängenbleiben oder Einwachsen der Wolfskralle können die Folge sein.

Zu lange Krallen reißen  ein, brechen ab oder bleiben hängen, können aber auch bleibende Schäden an Ballen, Sehnen und Gelenken hervorrufen.  Ist die Kralle zu lang, verändert sich der Winkel der Ballen zum Boden. Die Ballen werden nicht mehr gleichmäßig belastet, der Hund verlagert sein Gewicht nach hinten, Knochen, Sehnen und Gelenke werden fehlbelastet. Muskelverspannungen, Fehlstellungen und chronische Entzündung der Zehengelenke sind die Folge.

Werden die Ballen beim Abrollen in das Krallenbett hochgeschoben kommt es zu unangenehmen Druck auf die Hundeballen und das Krallenbett.

Wie oft schneiden?

Das Krallenwachstum ist je nach Hund unterschiedlich schnell. Ausreichende Abnutzung erfordert viel Bewegung, auch auf hartem Untergrund.
Grundsätzlich sollte man zu Beginn der Krallenpflege einmal in der Woche die Krallen in die Zange nehmen. So wird man bald merken, ob der eigene Hund wöchentlich oder monatlich geschnitten werden muss. Es empfiehlt sich, lieber öfter, dafür weniger von der Kralle zu entfernen. So kann sich der mitwachsende  Nerv in der Kralle langsam zurückbilden.

Die größte Gefahr beim Krallen­schneiden besteht darin, die empfind­liche Nervenbahn zu verletzen. Bei hellen Krallen sieht man die durchschimmernde Nervenbahn – v.a. mit einer starken Lichtquelle  gut und kann unter Sicht arbeiten.. Bei dunklen Krallen gibt es einen Trick – immer in millimeterdünnen Scheibchen vorwärts arbeiten, bis man einen kleinen grauen, weißen oder rosa Punkt sieht. An diesem Punkt beginnt die Nervenbahn.

Wird einmal doch zu weit geschnitten – der Schmerz ist schnell vorbei, auch wenn es  noch länger blutet –  und ein Superleckerli tröstet die meisten  Hunde.

Sinnvoll ist, bereits Welpen mit Training und viel Lob  an das  Handling mit den „heiligen Pfoten“ zu gewöhnen, sowohl beim Krallenschneiden als auch bei der Pfotenpflege ist Kooperation  von Seiten des Hundes sehr hilfreich.

Auch beim erwachsenen Hund lassen sich diese Dinge gut üben – z. B. mit Hilfe unseres viel empfohlenen  Buches „Medical Training“  Wenn BersitzerInnen die Krallen selber schneiden wollen, macht es Sinn, mit uns und der eigenen Krallenzange eine Übungssession durchzuführen.

„Die heiligen Pfoten“: Hunde gehen im Ernstkampf an die Pfoten des Widersachers – mit dem Plan, diesen durch verletzte Extremitäten aus dem Rennen zu werfen – der Widerwille vieler Hunde gegen Manipulationen an den Pfoten geht darauf zurück.

Ballen

Die Oberfläche der Ballen sollte glatt und weich sein. Ist  die Haut rissig und trocken , werden die Pfoten mit Melkfett , Vaseline oder Pfotenbalsam behandelt. Kleine Verletzungen durch Dornen, Splitter werden desinfiziert, größere Wunden so bald wie möglich in der Praxis vorgestellt, da Nähen von Verletzungen idealerweise in  6 Stunden erfolgt.

Haare

Sind die Haare zwischen den Pfoten zu lang , können sich Schmutz, Eis und Schnee, Streusalz ansammeln. Haare zwischen den Pfotenballen verfilzen gerne und dienen Parasiten wie Zecken und Milben als gutes Versteck, Getreidegrannen in den Zwischenzehenräumen können in die Haut eindringen und weiterwandern. Häufiges Ausrutschen kann ebenfalls an zu langen Haaren an den Pfoten liegen.

Die Haare zwischen den Zehen und Ballen werden  mit einer an den Kanten abgerundete Schere geschnitten, vor allem im Winter.

Wann ist Pfotenpflege notwendig ?

  • Bei Krallen, die den Boden berühren/  hochgedrückt werden
  • Hund leckt an Pfoten lecken
  • Pfoten knabbern
  • Häufiges Ausrutschen auf glatten Böden
  • Unlust zu laufen oder gehen
  • Schrägstellung der Pfoten
  • Schmerzen beim Gehen
  • Lahmheiten, Hinken

Standardausstattung für die Pfotenpflege

  • Spezielle Krallenzange
  • Fellschere mit stumpfen Enden
  • Krallenfeile
  • Taschenlampe, Kopflampe
  • Ggf. eine kleine Badewanne, rückfettende Seife
  • Vaseline, Hirschtalg,  Pfotenbalsam

Sind die Pfoten Ihres Hundes besonders angegriffen, tut ein Pfotenbad gut. Die Pfoten werden in einer Wanne mit ausreichend viel handwarmes Wasser gewaschen und shampooniert Gründliches Ausspülen, Abtrocknen und eventuell Pfotenbalsam schließen die Behandlung ab.

Winter

Die Winterzeit ist eine echte Herausforderung für Hundepfoten: Nässe, Kälte und Streusalz machen unseren Hunden das Leben schwer. Die Folge sind spröde und rissige Pfotenballen, Entzündungen und Schmerzen – daher :

Winter-Pfotenpflege leicht gemacht!

Ran an die Schere: Fell zwischen den Zehen kürzen – besonders bei langhaarigen Hunden. Zwischen den Zehen können sich Eis- und Schneeklumpen sammeln ,  die für den Hund sehr unangenehm sind.

Pfoten eincremen: Um rissigen Hundepfoten vorzubeugen, sollten die Ballen vor und nach Spaziergängen  mit Vaseline oder Melkfett eingerieben werden, da das Streusalz besonders aggressiv auf die Hundepfoten wirkt.

Pfoten abspülen: Nach dem Spaziergang sollten die Hundepfoten zum Entfernen von Salzresten  mit lauwarmen Wasser abgespült und gut abgetrocknet werden. Wir bieten zu diesem Zweck eine stark rückfettende Hundeseife aus der Region an, anschließend gibt’s Pfotenbalsam, Hirschtalg….

Pfotenkontrolle: Unter dem Schnee können böse Überraschungen, wie zum Beispiel Glasscherben, warten. Risse und und kleine Verletzungen werden desinfiziert, gepflegt und eventuell durch Pfotenschuhe geschützt,  größere Wunden in der Praxis vorgestellt.

Pfotenschutz: Für  empfindliche Pfoten gibt es spezielle Hundeschuhe. Diese schützen effektiv vor Verletzungen und Reizungen durch Streusalz. Auch hier gilt: rechtzeitig mit den Hundeschuhen üben. Notbehelf: Plastiksackerl mit Klebeband 🙂

Streusalz meiden: Funktioniert meist nicht so gut …

Übrigens: Das Beknabbern und Belecken der Pfoten nach einem Schneespaziergang kann auch Folge der wieder ansteigenden Durchblutung resultieren – es kribbelt….

Wir empfehlen:

Fürs Handling: unser viel empfohlenes Buch „Medical Care“

Zum Waschen: selbstgemachte, stark rückfettende Hundeseife aus der Region

Für den Urlaub oder zwischendurch: ProVet Pfotenpflege  

Hilft bei Exzemen, Allergien, kleinen Verletzungen und Irritationen der Pfoten

  • Eliminiert Keime und schädliche Partikel zwischen den Ballen
  • Wirkt antiseptisch, rückfettend und fördert die Wundheilung
  • Mit natürlichen Wirkstoffen
  • Ideal im Winter bei gesalzenem Boden
  • 12 x 1-Tages-Beutel als Kuranwendung

Zum Einfetten: Vaseline, Hirschtalg, Melkfett oder – St. Diem`s Pfotenpflege, 60ml, Vet Concept