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Entwurmung beim Pferd

Wie die meisten Tiere, die auf einer Wiese grasen, sind auch Pferde immer wieder von Wurmbefall geplagt. Doch nicht nur Tiere auf der Weide, sondern auch Tiere, die hauptsächlich im Stall gehalten werden, können sich infizieren. Grundsätzlich sind Pferde aller Altersgruppen und unabhängig von der Haltungsweise sowie gleich ob es sich um Freizeit-, Zucht- oder Turnierpferde handelt, ständig in Gefahr an Wurminfektionen zu erkranken Häufig sind die meisten oder sogar sämtliche Pferde des ganzen Pferdebestands betroffen.

Jeder Befall beeinträchtigt nicht nur die Leistungsfähigkeit des Pferdes, sondern kann auch eine ernste, sogar lebensbedrohliche Gefahr darstellen. Schädigungen werden einerseits durch Entzug von Nährstoffen, hauptsächlich aber von Wurmlarven verursacht, die durch den Pferdekörper wandern. Treten Darmparasiten in großer Zahl auf, besteht sogar die Gefahr eines Darmverschlusses.
Wurmbefall bleibt oft unerkannt, das Pferd wirkt lediglich müde, zeigt Leistungsschwäche und hat ein stumpfes Fell ,auch Symptome wie Durchfall oder Kolik können auftreten. Fohlen bleiben in ihrer Entwicklung zurück.
Um das Risiko von Erkrankungen durch Infektionen mit gastrointestinalen Parasiten zu minimieren, ist eine regelmäßige Entwurmung wichtig.

Parasiten beim Pferd

Zu den häufigsten Wurmarten beim Pferd zählen kleine und große Strongyliden, Spulwürmer, Bandwürmer und Pfriemenschwänze. Darüber hinaus kommen auch Zwergfadenwürmer, Großer Leberegel, Lungenwurm und Magenwürmer vor, sowie als ein weiterer gastrointestinaler Parasit die Dasselfliege.

Bandwürmer
Größe/Erscheinungsbild: 4 – 5 cm lang, manche bis zu 20 cm, weiß
Vorkommen: Verbindung zwischen Dickdarm und Dünndarm.
Symptome: Abmagerung, Haarausfall, Darmentzündung, Kolik

Spulwürmer
Spulwürmer kommen hauptsächlich bei Fohlen vor, weil Pferde bis zum ungefähren Alter von 18 Monaten eine Immunität gegenüber einer Infektion entwickeln.
Größe/Erscheinungsbild: bis zu 40 cm lang, weiß
Vorkommen: Dünndarm.
Symptome: Husten, schlechtes Wachstum, stumpfes Fell. Eine große Anzahl Spulwürmer kann tödliche Verstopfungen oder Rupturen im Darm bewirken

Magendasseln
Größe/Erscheinungsbild: Eier (abgelegt am Fell der Pferde) – bis zu 2 mm lang, Farbe: creme-weiß, Larven: bis zu 20 mm lang, Farbe: rötlich-orange.
Vorkommen: Magen.
Symptome: Leichte Verletzungen in der Maulschleimhaut, Magengeschwüre

Kleine Strongyliden
Blutwürmer / kleine Palisadenwürmer/“Horsekiller“
Größe/Erscheinungsbild: Bis zu 2,5 cm lang, dünn und von rötlicher Farbe.
Vorkommen: Dickdarm.
Symptome: Durchfall, bei massivem Befall schneller und starker Gewichtsverlust, Ödeme, Kolik, bei starken larvalen Infektionen potenziell tödlich. Strongyliden sind heutzutage der am weitesten verbreitete Endoparasit beim Pferd.

„Larvale Cyathostominose“ : ein Krankheitsbild, das von den Larven der kleinen Strongyliden ausgelöst wird. Die Larven der kleinen Strongyliden verkapseln sich in der kalten Jahreszeit in der Darmschleimhaut und bleiben diesem Ruhestadium bis Frühjahrsbeginn. Dann kommt es zu einer synchronisierten Massenauswanderung der Larven in den Darm, was zu einer massiven Schädigung der Darmschleimhaut, die praktisch „durchlöchert wird“ wird, führt. Besonders Jungtiere und Pferde bis zu einem Alter von 6 Jahren sind betroffen.
Symptome: plötzlich einsetzender heftiger Durchfall, Gewichtsverlust, Kolik, Fieber, Wasseransammlung an Unterbauch und Gliedmaßen, Todesfälle
Ca. 80% der Bestände sind infiziert, die Hauptinfektionsquelle ist die Weide

Große Strongyliden
Der zur Gruppe der großen Strongyliden gehörende Wurm „Strongylus vulgaris“ ist einer der meist gefürchteten Parasiten des Pferdes. Die Larven werden beim Weidegang aufgenommen, wandern durch den Körper und siedeln sich schließlich in den Darmarterien an
Größe/Erscheinungsbild: bis 2,5 cm groß
Sitz: Blind- und Dickdarm
Symptome: mangelnder Appetit, Gewichtsverlust, Fieber. Bei starkem Befall Blutarmut
Bei Bildung von Blutgerinnseln in den Darmarterien kann es zu schweren thrombotischen Koliken kommen, gelegentlich auch zu Hinterhandlahmheiten.

Zwergfadenwürmer
(Strongyloides )
Symptome: Durchfall, gelentlich Hautsymptomatik

Pfriemenschwänze (Oxyuren)
Die Weibchen dieser Wurmart wandern, vor allem nachts, aus dem Darm aus und legen ihre Eier in einer klebrigen Flüssigkeit in der Nähe des Anus ab. Diese trocknet zu sog. „Eischnüren“ ein und fällt letztendlich auf den Boden oder in die Einstreu. Bei der Eiablage entsteht ein starker Juckreiz, wobei sich das Pferd heftig scheuert. Haarlose Stellen an der Schweifwurzel, dem sog. „Rattenschwanz“ deuten auf einen Befall mit Pfriemenschwänzen hin

Betriebsmanagement

Ziel der Entwurmung                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Häufig finden sich in der Umwelt des Pferdes verschiedene infektiöse Parasitenstadien wie Eier und Larven. Ziel der Bekämpfung von Magen-Darm-Parasiten ist, das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu beschränken, Schädigungen oder Erkrankungen vorzubeugen bzw letztendlich parasitenbedingte Erkrankungen zu behandeln. Die Senkung des Infektionsdruckes und damit des Risikos von Neuinfektionen gelingt nur, wenn die Umgebung des Pferdes in die Bekämpfungsmaßnahmenmit einbezogen wird.

Neubesetzung
Um zu verhindern, dass Parasiten in den Bestand eingeschleppt werden, sollte jedes Pferd vor der Einstallung in einen neuen Bestand auf Parasiten hin untersucht und entwurmt werden. Da bei der Entwurmung verstärkt Parasiten ausgeschieden werden, sollten die Pferde, je nachdem welcher Wirkstoff in der Wurmkur enthalten ist, 1 – 3Tage eingestallt bleiben. Anschließend ist die Einstreu zu entfernen und der Stall zu reinigen. Prinzipiell empfiehlt sich die zeitgleiche und regelmäßige Entwurmung bei allen Pferden

Impfungen
Parasiten beeinträchtigen das Immunsystem, indem sie dem Körper wichtige Stoffe für den Aufbau einer guten Immunabwehr entziehen. Außerdem ist das Immunsystem mit der Bekämpfung der Parasiten beschäftigt – es wird empfohlen, zwei Wochen vor einer Impfung zu entwurmen.

Kotuntersuchungen
Als wesentlich wird Parasitenmonitoring durch Kotuntersuchungen erachtet.
Zusätzliche Entwurmung z.B. bei Parasitennachweis in der Kotprobe:
bei Bandwurmbefall: Entwurmung im Frühjahr und Herbst
bei Magendasselbefall: Behandlung Ende November/Anfang Dezember
Larvale Cyathostominose: Entwurmung im Frühjahr und Herbst

Stall- und Weidehygiene sind als begleitende Maßnahmen unumgänglich, um Reinfektionen und den Infektionsdruck auf die Herde auf ein Minimum zu beschränken

Weidehygiene
Entwurmung im Frühjahr vor Weideaustrieb beugt einer massiven Weidekontamination vor. Die Weide ist die häufigste Infektionsquelle.

•regelmäßiges Absammeln von Kot (alle 2 – 3 Tage)
• niedrige Besatzdichte (ideal 2 Pferde/ha)
• Umtriebsweiden (regelmäßiger Koppelwechsel)
• Misch- oder Wechselbeweidung mit Wiederkäuern
•Zwischenmahd
• Frühjahrsschnitt zur Reduzierung der überwinterten Larvenpopulation
• Entfernen von Geilstellen
• Düngen mit Pferdemist NUR nach genügender Rotte (besser gar nicht)

Stallhygiene
• täglich Kot entfernen
•Boxen trocken halten
•keine Bodenfütterung
• Tiefstreu vermeiden (1)
• regelmäßiges Reinigen der Boxen, Gitterwände, Tränken etc.
• Mindestens 1x jährlich Desinfektion

Entwurmung im Herbst vor der Einstallung ist wichtig, da während der Weidesaison die Infektionsgefahr zunimmt

Hygiene am Pferd
Bei Pfriemenschwanzbefall regelmäßige/tägliche Reinigung der Anusrosette sowie Unterseite des Schweifs mit feuchtem Lappen (besser Auswaschen), dabei Entfernung und Entsorgung der ggf. vorhandenen Eischnüre der Pfriemenschwänze
Generell im m Sommer/Herbst: wöchentlich 1-2 Mal Gliedmaßen und Brust mit einem feucht-warmen Tuch abreiben zur Entfernung der Dasselfliegeneier

Selektive Entwurmung versus strategische Intervall-Behandlung

Da bis auf Weiteres weder neue Wurmmittel noch alternative Optionen zum Schutz vor Wurmerkrankungen, wie z.B. Impfungen, zu erwarten sind, ist es wichtig, Resistenzen nach Möglichkeit zu vermeiden.
Die aktuelle Resistenzproblematik, insbesondere bei den kleinen Strongyliden, macht die Therapie von Wurmerkrankungen beim Pferd mittlerweile zu einer Herausforderung, da Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe wie Pyrantelembonat und Benzimidazole weit verbreitet sind. Wurde lange Zeit eine gleichzeitige Entwurmung aller im Bestand vorhandenen Pferde viermal pro Jahr ohne eine parasitologische Kotuntersuchung vorgenommen, ist es in den letzten Jahren zu einem notwendigen Strategiewechsel gekommen. Angestrebt wird eine Reduktion des Medikamenteneinsatzes durch gezielte Therapie.
So werden von der ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) gegenwärtig zwei unterschiedliche Bekämpfungsstrategien empfohlen, die jedoch beide ein Parasitenmonitoring durch Kotuntersuchung voraussetzen.

Selektive Entwurmung
Bei der selektiven Entwurmung werden Kotproben von allen (adulten) Pferden des Bestandes regelmäßig parasitologisch untersucht. Im ersten Jahr werden von jedem Pferd 4 Kotuntersuchungen benötigt, in den Folgejahren ist bei epidemiologisch unauffälligen Betrieben eine dreimalige Beprobung ausreichend. Basierend auf dem parasitologischen Befund erfolgt die Therapie individuell für jedes Tier:
Es werden nur die Pferde entwurmt, bei denen Eizahlen ab 200 Strongylideneiern pro Gramm Kot nachgewiesen werden konnten. Die Tiere mit einer geringeren Eizahlausscheidung werden nicht behandelt.
Das Prinzip der selektiven Entwurmung ist in erster Linie auf die Bekämpfung der kleinen Strongyliden ausgerichtet. Beim Vorkommen anderer Endoparasiten ist die Vorgehensweise eine andere.
Der Nachweis von Bandwürmern ist immer als Herdendiagnose zu verstehen, auch nur bei einem Tier des Bestandes Bandwurmeier festgestellt, sind alle Pferde des Betriebes zu entwurmen. Die Ausscheidung von Spulwurmeiern erfordert grundsätzlich immer eine zeitnahe Behandlung des infizierten Einzeltieres – ganz unabhängig von der Eizahl – um einer massiven Kontamination der Umgebung entgegenzuwirken.
Nicht geeignet ist die selektive Entwurmung für Fohlen und Jungpferde bis zu einem Alter von vier Jahren sowie für Bestände, in denen große Strongyliden vorkommen!
Bei der selektiven Entwurmung ist nicht das Ziel, die Pferde „wurmfrei“ zu bekommen..Fakt ist , dass man zum einen die Pferde aufgrund der hohen Neuinfektionsgefahr nicht 100%ig wurmfrei bekommt, zum anderen ist eine geringe Wurmbelastung für das Immunsystem kein Problem bzw wird sogar positiv bewertet.
Die selektive Entwurmung wird nur für adulte Pferde empfohlen und ist ausschließlich für die Bekämpfung kleiner Strongyliden konzipiert.

Da jedoch einige Würmer nur sehr schwer oder per Zufall über den Kot nachgewiesen werden können, empfiehlt es sich, einmal im Jahr für alle Pferde eine „Pflichtbehandlung“ zu machen, z B Anfang Dezember, weil die Larven der Dasselfliegen ebenfalls angesprochen werden. Die Benutzung eines Medikaments, das auch Bandwurmbefall abdeckt, wird empfohlen.
Das Einhalten strikter Hygiene- und Quarantänemaßnahmen ist bei der selektiven Entwurmung ebenso erforderlich wie Therapiekontrollen mittels Eizahlreduktionstest (EZRT).

Strategische Intervall-Behandlung
Das Behandlungsschema richtet sich nach der jeweiligen Alters- bzw. Nutzungsgruppe, wobei die Anzahl der Behandlungen entgegen der früher gängigen Entwurmungspraxis reduziert wurde.
Die Erfassung des Infektionsstatus eines Bestandes durch parasitologische Kotuntersuchungen ist dennoch notwendig. Vor jeder Behandlung ist ein Parasitenmonitoring durchzuführen. Anders als bei der selektiven Entwurmung liegt der Fokus allerdings nicht auf dem Einzeltier, sondern auf dem Bestand, sodass hier auch Sammelkotproben mehrerer Tiere (max. 5) oder Kotproben stichprobenartig ausgewählter Einzeltiere untersucht werden können. Je mehr Pferde beprobt werden, desto aussagekräftiger ist das Monitoring.
Entwurmt wird dementsprechend nicht individuell, sondern immer die ganze Tiergruppe.
Weiterhin sollten auch mögliche Resistenzen mittels Eizahlreduktionstest erfasst werden.
Dazu wählt man exemplarisch für die Alters- bzw. Nutzungsgruppe die Tiere aus, bei denen in der Kotprobe ein Bei hohem Gehalt an Strongylideneiern werden die Eier vor und nach Therapie gezählt.
Der Eizahlreduktionstest sollte immer bei Verdacht auf Versagen der angewandten Wurmmittel durchgeführt werden sowie bei der adulten Pferdegruppe mindestens einmal pro Jahr vor dem Aufstallen nach der Weidesaison.

Zu guter Letzt:
Die „ideale“ Kotprobe
… sollte möglichst frisch sein – am besten rektal entnommen oder direkt nach dem Kotabsatz aufgenommen. Um die Nachweissensitivität zu erhöhen, sind Sammelkotproben von 3 Tagen zu empfehlen. Zwischen den Entnahmen sollten die Proben bei 4-8°C gelagert werden.

 

Selektive Entwurmung                                                                                                                                                                                                         Strategische Intervallbehandlung

nur für erwachsene Pferde geeignet                                                                                                                                                                                                      für alle Altersgruppen anwendbar

aufwändig, mehr Einsatz von Halter und Besitzer                                                                                                                                                                            aufgrund festgesetzter Schemata einfach in der Umsetzung

durch individuelle Kotproben ist zielgerichtete  Entwurmung des Einzeltieres möglich                                                                                                          Parasitenstatus der Gruppe wird erfasst, Einzeltier dadurch ggf häufiger als notwendig behandelt                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Nicht für Betriebe mit großen Strongyliden geeignet                                                                                                                                                                        durch zweimaligen Einsatz von ML  wird der Zyklus der großen S. zuverlässig unterbrochen

z Z nachhaltigstes Konzept gg Resistenzentwicklung

 

Beitragsbild: ESCCAP