Wissenswertes

Verhalten: Kind und Hund

 

Hund ist da – Kind kommt – was tun?
Mindestens 70 % aller Bissverletzungen werden durch den eigenen oder einen nahe bekannten Hund hervorgerufen. So positiv der Einfluss von Hunden auf das Sozialverhalten und die Kommunikationsfähigkeit von Kindern ist, so schwierig kann die Beziehung Kind-Hund werden. Das gilt ganz besonders für Hunde, die ihren Rang nicht eindeutig kennen oder anerkennen und mangelhaft sozialisiert sind.

Rangordnung
Hunde sind Rudeltiere. Verwilderte Hunde kehren zu der Lebensform zurück, nach der ihre unmittelbaren Vorfahren, die Wölfe, seit Jahrtausenden leben. Das Wolfsrudel ist streng hierarchisch gegliedert. Durch ein kompliziertes System von Dominanz – und Unterwerfungsgesten werden kraftraubende Rangkämpfe auf ein Minimum reduziert. Der Rudelführer hat eine Reihe von Rechten, die nur ihm allein zustehen.

 

Für unsere Hunde bildet die Familie, in der sie leben, das Ersatzrudel. Auch das Ersatzrudel funktioniert aus der Sicht des Hund

 

es nach hierarchischen Regeln. Soll das Zusammenleben problemlos verlaufen, muss der Hund das rangniedrigste Mitglied seines Rudels sein. Rechte wie die besten Liegeplätze (Sofa, Bett) oder erste bei der Nahrungsaufnahme zu sein, stehen den ranghöheren Mitgliedern des Rudels zu – dazu gehören auch die Kinder. Kinder werden aber in aller Regel von Hunden in der RO als rangniedrig eingestuft.

Sozialisation
Der Welpe sollte in seiner Prägungsphase mit allen Dingen Kontakt haben, mit denen er im Laufe seines späteren Lebens zu tun haben wird. Dazu gehört ein Besuch in der Stammkneipe ebenso wie eben der Umgang mit Kindern aller Altersgruppen.
Welpen, die ohne Kontakt v.a. mit Kleinkindern aufwachsen, werden als erwachsene Hunde Kindern eher kritisch gegenüberstehen.

 

Vorsichtsmaßnahmen
Frühzeitig mit Vorbereitungen beginnen!
Kritische Überprüfung der Rangordnung (siehe oben): Sollte klar sein, wenn Kind da ist
Etablierung von sogenannten Tabuzonen : Kinderzimmer…….
Distanztraining

Distanztraining

 

Für Hunde, die sehr an ihren Besitzern kleben (Satellitenhunde) unbedingt Distanztraining machen, d.h. zwischen Mensch und Hund muss sowohl real als auch virtuell so viel Raum sein, dass noch andere Leerplätze für Kinder und andere Familienmitglieder frei sind. Je näher der Hund beim Rudelführer liegt, desto höher ist sein Rang.

 

Eifersuchtsprobleme
Sog. Eifersuchtsprobleme entstehen v.a. dann, wenn zwischen BesitzerIn und Hund keine Rangordnungslücke besteht, denn dann wird vom Kind kein leerer Raum besetzt , sondern es drängt sich effektiv zwischen Hund und BesitzerIn. Durch die massive Beanspruchung durch das Baby bleibt für den Hund vorübergehend weniger Zeit. Für rangniedrige Hunde entsteht dadurch kein ernsthaftes Problem. Im Gegensatz dazu stehen Hunde, die ihren hohen Rang sehr ernst nehmen.
Ein besonders großer Fehler ergibt sich aus folgendem, eigentlich logischen Verhalten:

  1. Ist das Baby versorgt und schläft friedlich, ist Zeit, das schlechte Gewissen zu tilgen und sich ausreichend dem Hund zuzuwenden.
  2. Der Hund zieht folgende Schlüsse: ist das Kind wach, habe ich Auszeit: kein Mensch kümmert sich um mich.
  3. Schläft es – high life wie in alten Zeiten.
  4. Das Kind wird somit als Negativfaktor verknüpft, Aggression ist die Folge. Diese Aggression kann sich je nach Hundetyp entweder nach innen (z.B. Leckdermatitis) oder nach außen richten.
  5. In diesem Fall wird der Hund versuchen, das Kind zumindest zu verdrängen, wenn nicht zu bedrohen.

Lösungsansatz
Wichtig ist, eine positive Verknüpfung mit dem Kind herstellen. Der Hund darf bei der Versorgung des Kindes anwesend sein und bekommt Aufmerksamkeit. Oder er bekommt Futter, wenn das Kind gefüttert wird und lernt so das Baby als Ursache angenehmer Dinge kennen. Wenn das Kind schläft, hat der Hund Auszeit und wird nicht beachtet.

Alter Hund – Kleines Kind
Diese Konstellation ist die schwierigste, da die Toleranz des Hundes im Alter durch Schmerz und/oder eingeschränkte Sinne erheblich nachlassen kann. In diesem Fall empfiehlt es sich, dem Hund einen Freiraum zu schaffen, der als Tabuzone für das Kind gilt. Das Kind muss und kann lernen, dass der Hund zu respektieren ist. Auch wenn ein guter „Kinderhund“ in der Regel aufsteht und geht, wenn´s zuviel wird, ist das nicht mit 100% Sicherheit vorauszusetzen.
Deshalb: Hund und Kind niemals ohne Aufsicht!
Auch wenn das im Alltag nicht immer realistisch und durchführbar ist sollte dieser Grundssatz nach Möglichkeit beachtet werden.