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Wohnungskatzen brauchen Beschäftigung!

Wohnungskatzen brauchen Beschäftigung!

Katzen ausschließlich in der Wohnung zu halten kann eine Herausforderung sein, was soll so eine Katze auch den lieben langen Tag tun, wenn sie schon alles hat?
Vor allem in Städten, aber auch am Land an viel befahrenen Straßen oder aus gesundheitlichen Gründen   werden Katzen in der Wohnung
gehalten.

Da der  reinen Wohnungskatze  viele  Möglichkeiten, ihre Verhaltensweisen wie Erforschen von Gerüchen auf dem täglichen Reviergang oder
bei der Jagd, auszuleben, fehlen, stellt sich die Frage nach körperlicher und geistiger Beschäftigung.

Um Katzen auch unter den eingeschränkten Bedingungen einer Wohnung ein abwechslungsreiches und möglichst artgerechtes Leben zu bieten, ist Wissen um ihre natürlichen Bedürfnisse und viel Fantasie gefragt …

Katzen jagen kleine Beutetiere und bevorzugen zehn oder mehr – allerdings sehr kleine – Mahlzeiten, eher Snacks. Andererseits ist dauerndes Futterangebot für die
gelangweilte Wohnungskatze der sicherste Weg zum Übergewicht.
Activity Feeding ist ein Weg zu mehr Bewegung!
Verringern Sie die Portionen in der Futterschüssel. Ab nun darf Ihre Katze einen Teil der Mahlzeiten selbst „erjagen“. Dazu verstecken Sie überall in der Wohnung einzelne Stückchen Trockenfutter, Zahnhygiene-oder Vitaminsnacks. Anfangs an leicht zugänglichen Stellen und, wenn Ihre Katze das neue Spiel schon kennt, an immer schwieriger zu erreichenden Orten. Für besonders aktive und anspruchsvolle Katzen können Sie Trockenfutter auch in kleinen Schachteln, Papiersäckchen oder in einem gelochten Rasenziegel, wie er für begrünte Parkplätze verwendet wird, anbieten.
Das Prinzip dieser Fummelbretter ist: Futter soll von der Katzer durch Denken oder Fummeln erarbeitet werden und nicht so einfach zugänglich sein.

Eine weitere und einfachere Möglichkeit: Sie bieten Ihrer Katze ein Pipolino an!

Dieser mobile Trockenfutterspender hat ein individuelles Lochsystem, mit dem die Katze ihr Futter durch Bewegung erarbeiten kann. Das Pipolino ist kein Spielzeug für die Katze, das nach einiger Zeit seinen Reiz verliert, sondern eine ernste und wichtige Aufgabe!

Gerüche sind für Katzen ausserordentlich wichtig. Bringen Sie Ihrer Katze hin und wieder neue Gerüche aus der Natur mit – z.B. einen Stein oder ein Stück Holz vom Spaziergang, einen Strauss duftender Gräser und Blumen oder einen mit Heu (aus der Tierhandlung) gefüllten Polster. Auch vom Einkauf im Supermarkt können Sie Neuigkeiten mitbringen – Papiertragtaschen oder Kartons. Fast alle Katzen fühlen sich magisch von diesen kleinen Höhlen angezogen, spielen und verstecken sich gerne darin.  Achtung: Tragegriffe auf alle Fälle vorher durchschneiden, die Katze kann hängen bleiben und in Panik geraten oder sich verletzen!

Veränderungen in ihrer begrenzten Umwelt sind für reine Wohnungskatzen viel dramatischer – erleben sie doch im Vergleich zur Freilaufkatze nur wenig
Abwechslung. Fördern Sie die geistige Flexibilität Ihrer Katze, indem Sie öfter mal kleine Dinge verändern. Dann erlebt Ihre Katze nicht gleich eine existentielle Krise, wenn ein neues Möbelstück in die Wohnung kommt. Wichtig ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von anregenden Neuigkeiten und Abwechslung und vertrauter stabiler Gewohnheit, auf die sich die Katze bei Unsicherheit verlassen kann.

Ganz wesentlich für die Lebensqualität der Wohnungskatze sind erhöhte Sitzplätze
.Für die abendlichen Spielrunden ist dann nicht der Vorhang, sondern die Kletterwand Auslaufraum in die dritte Dimension. Befestigen Sie einfach einen Kokosläufer
oder einen Sisalteppich an einer Wand, ein oder zwei Sitzbretter dazu, und fertig ist die platzsparende Klettervariante.
Aber auch ein raumhoher Kletterbaum muss nicht unbedingt viel Platz einnehmen. Hier die wichtigsten Kriterien für einen katzengerechten Kletterbaum:

• durchgehende Kletterstrecke ohne behindernde Zwischenbretter
• stabil und standfest
• Abstieg durch kleine und nicht zu steile Sprünge (ca. 100cm, 45° Winkel) möglich
• Sichere Aussichtsplätze

Neben Klettermöglichkeiten brauchen Katzen natürlich auch Kratzstellen, wenn Ihre Möbel verschont bleiben sollen. Ein herkömmlicher Kratzbaum erfüllt nicht unbedingt alle Vorstellungen einer Katze für eine aussagekräftige Kratzmarkierung. Katzen bevorzugen Materialen, bei denen die Fetzen fliegen: grobe rissige Rinde, weiches Holz, grobstrukturierte Natur-Textilien. Und damit diese Katzen-Graffiti zum echten Hingucker werden, müssen sie natürlich auch verkehrstechnisch günstig liegen. Gute Kratzstellen liegen am Weg vom Schlafplatz zum Futterplatz – dort nehmen Katzen das erstbeste Objekt für ihre Showeinlage. Achten Sie auf Stabilität, ausreichende Höhe (120cm) und katzenfreundliches Material – schon ein Fußabstreifer aus Sisal oder Kokosfaser, an der richtigen Stelle befestigt, ist eine ideale Kratzstelle.

Neben allen diesen Einrichtungsangeboten für Ihre Katze ist aber eines ganz besonders wichtig: interaktives Spiel

! Eine abendliche Spielrunde von 20 Minuten ist das Minimum für ein aktives Katzenleben in der Wohnung. Je realistischer Ihr Spielangebot, desto eher wird Ihre Katze die Herausforderung annehmen. Wichtig zu wissen, dass Katzen Lauerjäger sind und nur einzeln auf die Jagd gehen. Gestalten Sie vor der Spielrunde ein wenig Deckungsmöglichkeiten – seitlich liegende Kartons, den Teppich oder eine Decke zu grossen Falten aufgeworfen oder ein umgedrehter Wäschekorb – bieten Versteckmöglichkeiten. Bedenken Sie auch, dass sich Mäuse vor Katzen eher verstecken und flüchten; als guter Spielpartner Ihrer Katze sollten Sie sich in eine Maus verwandeln können.
Ungeduld ist dabei ausgesprochen spaßbremsend – für die Katze beginnt das Spiel schon lange bevor sie tatsächlich los springt!
Die reine Wohnungshaltung von Katzen kann durchaus artgerecht sein – es liegt an Ihrer Bereitschaft, Neues über Katzen zu lernen und Ihrer Fantasie, einen  abwechslungsreichen Lebensraum zu gestalten, um den geistigen und körperlichen Fähigkeiten Ihrer Katze gerecht zu werden.

Impressum:
© Dipl. Tierarzt Sabine Schroll, 2014 Krems/Donau

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